Weihnachten in Russland


Weihnachten in Russland

Weihnachten wird in Russland nicht Ende des Jahres, sondern Anfang des neuen Jahres gefeiert. Der 7. Januar ist mittlerweile wieder ein offizieller Feiertag und nach dem Julianischen Kalender der 25. Dezember.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nimmt die russisch-orthodoxe Kirche wieder einen wichtigen Platz ein. Die Russen feiern den 7. Januar als das Fest von Gottes Erscheinung und Gottes Geburt. Beschenkt wird sich dagegen am 31. Dezember, der nach heutiger Tradition eher dem Weihnachten europäischer Tradition gleicht, während die nach dem Silvesterfest und der Begrüßung des neuen Jahres kommenden Tage der Reinigung gelten und eher als religiöse Zeremonie gefeiert werden. Am Neujahrstag erscheint Väterchen Frost mit seiner Enkelin auf einem Schlitten und überbringt die Geschenke und die Kinder kleiden sich in lustige Kostüme. Auch wird an diesem Tag der Weihnachtsbaum aufgestellt und festlich geschmückt.

Die Tradition von Weihnachten unterlag in Russland etlichen Schwankungen und Verboten. Nach der Absetzung des Zaren und der im gleichen Jahr erfolgten Oktoberrevolution von 1917 wurde der Besitz der russisch-orthodoxen Kirche beschlagnahmt und enteignet und religiöse Feste waren verboten. Die Verstaatlichung setzte ein und die kommunistischen Bolschewiki übernahmen die Macht. Sogar der Besitz von Ikonen wurde den Menschen untersagt. Die Aufspaltung und erhoffte Erneuerung des sehr gläubigen, russischen Volkes führte zu viel Leid und Zerstörung. Dennoch konnten die Traditionen und Bräuche nicht gänzlich abgeschafft werden und wurden durch die schweren Zeiten hindurch bewahrt.

Die russische Weihnacht ist sehr religiös geprägt. Vierzig Tage vor dem eigentlichen Weihnachtsfest beginnt die Fastenzeit. Diese dient der geistigen und körperlichen Reinigung. Der 6. Januar ist der Heilige Abend und der letzte Tag der Entbehrungen. An diesem Tag wird ein langer und aufwendiger Gottesdienst in den Kirchen abgehalten, an dem auch Politiker und Staatsmächte teilnehmen, was häufig in den Medien spektakulär übertragen wird. Im Russischen heißt dieser Tag „Sochelnik“, eine Ableitung von einer rituellen und altrussischen Speise aus Weizen oder anderem Getreide.
Nach dem Gottesdienst feiern die Russen im Familienkreis weiter, laden Gäste ein und setzen sich gemeinsam um einen gedeckten Tisch. Während Silvester eher für die Kinder gefeiert wird, ist der Heilige Abend ein bedächtiges Ereignis. Häufig wird in der Wohnung Heu ausgestreut, das die Krippe symbolisieren soll, gleichfalls auf der Tafel zwölf Gerichte gereicht, als Gedenken an die zwölf Apostel, die auch an der Tafel des Gottessohns saßen. Die Gerichte sind einfach, dennoch üppig. Erst am nächsten Tag als das eigentliche Ende der Fastenzeit wird der Tisch reichlich und aufwendig gedeckt. Es werden Suppen, Vorspeisen, Hauptgerichte, Nachspeisen, Tee und alkoholische Getränke gereicht, gesungen, gelacht und bis in die Nacht hinein getanzt. Auch das „in die Zukunft sehen“ oder Wahrsagen ist eine wichtige und wieder verbreitete Tradition. Junge Mädchen erfahren auf diese Weise, wen sie heiraten oder wie viele Kinder sie bekommen werden.